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Nobelpreisträger Gerhard Ertl spricht am Mittwoch (28.10.) im Jenaer Ernst- Abbe-Kolloquium

[Friedrich Schiller Universität]

Wenn heutzutage chemische Entwicklungen getestet werden, geschieht dies anfangs nur noch selten mit großen Stoffmengen. Meist werden diese Reaktionen an wenigen Molekülen geprüft, da immer bessere Mikroskope die Beobachtungsmöglichkeiten inzwischen selbst auf atomarer Ebene erlauben. Als Gerhard Ertl jung war, gab es diese leistungsfähigen Mikroskope noch nicht. Doch den 1936 in Stuttgart geborenen Chemiker interessierten die Reaktionen von Molekülen auf Oberflächen – etwa von Metallen oder Legierungen – besonders. Ertl wurde zum Begründer der Oberflächenchemie in Deutschland und nutzte immer als einer der Ersten die modernsten Techniken, um seine Forschungen auf diesem Gebiet weiterzuführen. 2007 wurde ihm der Nobelpreis für Chemie für seine „Studien von chemischen Prozessen auf Festkörperoberflächen“ zuerkannt. Der vielfach ausgezeichnete Chemiker und langjährige Direktor der Abteilung Physikalische Chemie des Fritz-Haber- Instituts in Berlin wird am 28. Oktober in Jena sprechen. Im Rahmen des Ernst-Abbe-Kolloquiums, das von der Friedrich-Schiller- Universität und der Ernst-Abbe-Stiftung ausgerichtet wird, findet sein öffentlicher Vortrag um 17.00 Uhr im Zeiss- Planetarium (Am Planetarium 5) statt, der Eintritt ist frei. Ertl wird bei seiner Vorlesung „Reaktionen an Oberflächen: Vom Atomaren zum Komplexen“ nicht nur die rasante Entwicklung der Chemie und der modernen physikalischen Methoden, die eine Aufklärung bis ins atomare Detail erlauben, Revue passieren lassen. Der Nobelpreisträger wird vor allem über heterogene Katalyse sprechen, die die Grundlage für die chemische Industrie ist, und über Prozesse des modernen Umweltschutzes, wie den Auto-Abgas-Katalysator. Unter bestimmten Bedingungen treten dabei Effekte zweidimensionaler Musterbildung auf, die im Rahmen der nichtlinearen Dynamik auch dank Ertls Forschungen exakt beschrieben werden können. Solche dynamischen Strukturen dienen ebenfalls als Modelle für die Selbstorganisation in vielen anderen Bereichen – daher wird das aktuelle Ernst-Abbe-Kolloquium nicht nur für Chemiker eine Bereicherung sein.
Kommentieren (0 vorhanden) | Lesezeichen | 26. Oktober 2009, 23:06




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