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Jena und Bauhaus – Programm zum 90. Bauhausjubiläum 2009

[JenaKultur]

Zwei im Original erhaltene Bauhaus-Villen, eine dem Bauhaus-Stil verpflichtete moderne Industrie-Architektur, Bauhaus-Design aus den Jenaer Schott-Werken und kostbare Bauhaus-Werke in der Jenaer Kunstsammlung: Das sind die heute sichtbaren Zeugnisse der Arbeit und der intensiven Beziehungen von Bauhaus-Künstlern zur Stadt Jena.
In Weimar wurde das Bauhaus gegründet – in Jena aber fanden die Bauhaus-Künstler Förderer und Sammler ihrer Kunst sowie interessierte Bauherren. Hier gingen auch die ersten Industrie-Produkte des Bauhauses in Serie.
Alle Bauhaus-Künstler, wie Lyonel Feininger, Paul Klee, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky, und viele ihrer Schüler zeigten hier von 1917 bis 1932 ihre Arbeiten in rund 20 Ausstellungen; einige Werke wurden Teil der Jenaer Kunstsammlung. Walter Gropius und Adolf Meyer planten das Jenaer Theater als erstes öffentliches Gebäude des Bauhauses überhaupt und die Villa des Jenaer Physiker Felix Auerbach war das erste private Wohnhaus, das nach Gropius’ Baukasten-System geplant wurde. Erich Schott holte Gerhard Marcks und später Wilhelm Wagenfeld nach Jena: Mit dem Bauhaus-Design und der Werbegraphik von Laszlo Moholy-Nagy wurde das feuerfeste Jenaer Glas schließlich in der ganzen Welt bekannt und zum Inbegriff Moderner Gestaltung und Lebensweise.

Kandinsky
Als Formmeister für Wandmalerei und Lehrer im Vorkurs wurde Wassily Kandinsky 1922 an das „Staatliche Bauhaus“ in Weimar berufen. Schon im darauffolgenden Jahr wurde in dem von Adolf Meyer und Walter Gropius umgebauten Jenaer Stadttheater die erste Ausstellung Kandinskys in Thüringen gezeigt. Zwei Jahre später richtete der Jenaer Kunstverein unter Leitung von Walter Dexel dem Bauhaus-Meister eine umfangreiche Retrospektive aus, die Werke aus allen Schaffensphasen zeigte. Zur Eröffnung dieser Ausstellung referierte Kandinsky seinen programmatischen Text „Über abstrakte Malerei“ und stellte in Jena eine seiner wichtigsten Kunsttheorien dem Publikum vor.
Wassily Kandinsky nutzte den Jenaer Kunstverein, wie es alle anderen Bauhaus-Meister ebenso taten, als eine Ausstellungsinstitution, die weit über lokale Grenzen hinaus beachtet und geschätzt wurde. Auch über die Zeit hinaus, in der das Bauhaus in Weimar war, pflegte Kandinsky Kontakte und Freundschaften in Jena weiter.

Ausstellungen 2009

„SCHOTT und das Bauhaus“
20. Januar – 20. März 2009, SCHOTT GlasMuseum
Während der 1930er Jahre verpflichtete Erich Schott, Sohn des Firmengründers Otto Schott, Künstler an das Jenaer Glaswerk, die in Weimar am Bauhaus gelehrt hatten: Ab 1931 gestaltete Wilhelm Wagenfeld die berühmten neuen Formen für das Hauswirtschaftsglas, von 1933 bis 1937 wirkte Lászlo Moholy-Nagy als Planer und künstlerischer Berater für die Werbung.

“Über die Kunst, Bücher zu binden – Das Lebenswerk des Dorfner-Schülers Kurt Lusky”
16. Mai – 26. Juli 2009 (Eröffnung 15. Mai, 20:00 Uhr), Stadtmuseum Jena
Kurt Lusky wird zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Entstehungsphase des künstlerischen Handeinbands in Deutschland hinein geboren. Durch den Belgier Henry van de Velde, der 1902 nach Weimar zog, um das Kunstgewerbliche Seminar zu übernehmen, bekam die Buchkunst neue Impulse. Die Buchbinderwerkstatt übernahm Otto Dorfner, der von Weimar aus die Buchbindekunst in Deutschland entscheidend prägte. Den Jenaer Buchbindergesellen Kurt Lusky hat die künstlerische Ausbildung bei Dorfner ein Leben lang geprägt. Die Ausstellung zeigt den Nachlass der Künstlers, künstlerische Handeinbände von Henry van de Velde und Otto Dorfner

Falko Bärenwald
Ein Architekt, Maler, Graphiker, Designer – Bauhauserben aus Jena
5. Dezember 2009 bis 21. Februar 2010, Kunstsammlung im Stadtmuseum Jena
Es gibt wenige lebende Architekten, die sich mit der gleichen Intensität und Professionalität der freien Kunst, wie auch dem architektonischen Schaffen widmen. Im Wechselspiel von Emotion und Rationalität entstehen freie künstlerische Arbeiten und architektonische Projekte von hoher Qualität, die sich in der Tradition des Bauhauses vor 90 Jahren befinden. Gezeigt wird ein architektonisch, plastisch und grafisches NETZWERK.

Veranstaltungen 2009

13. / 14. Februar 2009, Oper „Hydrogen Jukebox“
Eröffnungskonzert des Bauhaus-Jahres Jena im Volksbad
Text: Allen Ginsberg, Komponist: Philip Glass, Leitung: Erik Kross
Im besten Sinne zeitgenössisch ist das musikdramatische Werk „Hydrogen Jukebox“, das 1990 in Charleston/USA Weltpremiere feierte. Die bildhaften Gedichte des wohl wichtigsten Dichters der amerikanischen Beat-Generation, Allen Ginsberg, thematisieren den Wahnsinn seiner Zeit: Aufrüstung und Kriege, die ungelöste Palästinafrage, Umwelt, Drogen und sexuelle Revolution. Philip Glass war so fasziniert von dieser Poesie, dass er sie vertonte. Ausgehend von der Minimal Music, erweitert er die sechs Sängerstimmern auf jede mögliche Kombination. Volksbad, 20 Uhr

20. / 21. März 2009, „Im milden Glanz der Bratwurst“
Szenisch-musikalische Collage über Vertreibung des Bauhauses aus Weimar
Leitung: Frieder W. Bergner
„Wir klagen an, dass zugelassen und begünstigt worden ist, dass die sachliche und stets unpolitische Kulturarbeit des Bauhauses durch parteipolitische Machenschaften gestört wird…“ So beginnt ein offener Brief, mit dem alle Bauhausmeister der Öffentlichkeit bekannt geben, dass sie das Bauhaus in Weimar zum 1. April 1925 für aufgelöst erklären. Das Ende einer langen Reihe von Vorwürfen und Mittelkürzungen seitens der Landesregierung. In der szenisch-musikalischen Collage werden Auszüge aus originalen Landtagsdebatten mit Texten der Bauhausmeister zu einer Performance gemischt, die an frühe Aufführungspraxis bei Atelierfesten anknüpft. Volksbad, 20 Uhr

1. – 10. Mai 2009, Festival Bau-Haus Haus-Bau
Internationale Gastspiele, Diskussionsrunden, Workshops im Theaterhaus Jena

15. Mai 2009, Lange Nacht der Museen Jena „90 Jahre Bauhaus“
u. a. mit einem „Bauhaus-Warentest“ – Jenaer Jugendliche prüfen aktuelle Produkte auf ihre Funktionalität nach den Bauhaus-Prinzipien
Beginn: 16 Uhr

6. Juni 2009, Quadrat, Dreieck und Kreis
Kinder- und Familienfest im Paradies

20. / 21. Juni 2009, „Quadratisch, praktisch, gut…“
„GartenStücke”, Farbenlehre und Werkstattkursen
Im Bauhausjahr rufen die „GartenStücke“ Landschaftsarchitekten, Architekten, Künstler und Kreative auf, sich an einer temporären Intervention auf dem Ernst-Abbe-Platz zu beteiligen. Jeder Teilnehmer erhält einen quadratischen Platz zugewiesen, den er mit seinen Vorstellungen zum oben genannten Thema bespielen kann. Die Projekte werden im Vorfeld von einer Jury auf ihre Eignung geprüft und ausgewählt

27. / 28. Juni 2009, Tag der Architektouren in Thüringen
Bauhaus-Architektur in Jena und Blick auf neue Häuser in der Tradition des Bauhauses

12. September 2009, Bauhaus-Fest in Jena: „Ventil kreativ“
Eine eigene Band, geladene Musiker und ein DJ, der mit jazzigen Schellackplatten hantiert, garantieren eine spritzige Ballnacht, die keinen Stuhl warm werden lässt. Dazu das Tanztheater im „Schwarzlicht“, der Volksbadsaal in Gelb-Rot-Blau und auf dem Parkplatz gibt sich die Kleinkunst dadaistisch. Höhepunkt der Nacht – eine Verzauberung. Kostüme sind erwünscht
Ort: Volksbad und Parkplatz
Beginn: 20.00 Uhr

13. September 2009, Tag des offenen Denkmals zum Thema „Bauhaus in Jena“

5. November 2009, Konzert der Jenaer Philharmonie „Das Bauhaus und die ‚Jungen Wilden‘ der 1920er Jahre“
mit den „Nusch-Nuschi-Tänzen“ von Paul Hindemith (1895-1963), Sinfonie Nr. 2 von Kurt Weill (1900-1959), „Petruschka. Burleske in vier Bildern“ von Igor Strawinsky (1882-1971)
Beginn: 20 Uhr

13. November 2009, „Das mechanische Ballett“
nach Kurt Schmidt, Inszenierung: Jörg U. Lensing, Musik: Hanno Spelsberg
Dem 1923 anlässlich der Bauhauswoche im Jenaer Theater uraufgeführten „Mechanischen Ballett“ hat sich das „Theater der Klänge“ aus Düsseldorf angenommen, das von der Bauhausbühne fasziniert ist. Tanzfiguren, die an Menschen erinnern, bewegen sich durch zweidimensionale Räume – die Theaterhandlung ist der Mechanismus des Bühnengeschehens.
Ort: Theaterhaus Jena
Beginn: 20 Uhr

Führungen zum Thema „Bauhaus in Jena“

Sehenswürdigkeiten

Stadttheater Jena
Die erste Bauaufgabe, die Walter Gropius 1921/22 in Thüringen realisieren konnte, war der Um- und Ausbau des Stadttheaters Jena in Zusammenarbeit mit Adolf Meyer. Begonnen
wurde mit dem Zuschauerraum, der durch die Deckenkonstruktion in Verbindung mit stützenden Konsolen einen geometrisch-kubischen Charakter bekam. Das Foyer war mit fünf Fenstertüren ausgestattet, durch die Licht von Norden her einfiel. Zwei Pfeiler gliederten den Raum, der dadurch zu einer Halle wurde, die sich in seitlichen Wandelgängen fortgesetzt hat. Beidseitige Treppen führten zum Balkon des Theatersaals. Außen erhob sich der Baukörper auf einem zweistufigen Podest – Quader mit abgewinkelten Kanten in unterschiedlicher Höhe und Tiefe. Die Funktion im Innern ließ sich an der Außenhaut durch entsprechende Volumina ablesen. Das Gebäude gilt als einer der Gründungsbauten der Moderne. 1987 wurde mit dem Zuschauerraum der letzte Rest des Stadttheaters von Gropius abgerissen.

Haus Auerbach/Schaefferstraße 9
Der Direktor des Bauhauses, Walter Gropius, baute 1924 sein erstes privates Wohnhaus in der Formensprache des Neuen Bauens für den Physiker und Kunstmäzen Dr. Felix Auerbach. Die elementare Geometrie, reine puristische Formen, wie einander durchdringende Quader, flache, teilweise begehbare Dächer, horizontale Fensterbänder und der vollverglaste Wintergarten ist hier beispielhaft vorgeführt (Mitwirkung: Adolf Meyer).

Haus Zuckerkandl/Weinbergstraße 4a
1927-29 baute Walter Gropius ein weiteres Privathaus in Jena. Im Auftrag der aus Wien stammenden Jüdin Therese Zuckerkandl entwarf er ein dreigeschossiges Gebäude, dass er durch ein hohes Sockelgeschoss an die steile Hanglage unterhalb der Sonnenberge angepasst hat. Strenge Geometrie bestimmt wie bei Haus Auerbach den Baukörper.

Zeiss-Planetarium/Planetariumsstraße
Der Ingenieur Professor Walter Bauersfeld entwickelte Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts Kuppelkonstruktionen für Projektionsplanetarien, die aus räumlichen Netz-werken bestanden und in einem Spritzgussverfahren beschichtet wurden. Dieses weltweit neuartige Verfahren liegt der Kuppel des 1926 eröffneten Planetariums in Jena zugrunde. Für den Bau lieferte Adolf Meyer einen Architekturentwurf, der aber nicht realisiert wurde. Beauftragt wurde das Jenaer Architekturbüro Schreiter & Schlag, die ihre Formensprache an das Neue Bauen anlehnten.

Mensa/Philosophenweg 20
Den Entwurf für das Gebäude schufen Ernst Neufert und Otto Bartning in Zusammenarbeit mit dem „Aktiven Bauatelier“ der Bauhochschule Weimar 1929/30. Der kubische Stahl-skelettbau mit Flachdach hat eine rote Backsteinfassade, deren geschlossene Gestalt von großen Fensterflächen durchbrochen wird. Konstruktiven Neuerungen sind die Drehfenster und Universalsohlbänke. Das Gebäude wurde Mitte der 90er Jahre umfassend restauriert.

Abbeanum/Helmholzweg 1
Zeitgleich mit dem Bau der Mensa erhielten die Architekten Ernst Neufert und Otto Bartning, die beide als künstlerische Leiter der Bauhausnachfolgeeinrichtung Bauhochschule in Weimar fungierten, von der Carl-Zeiss-Stiftung den Auftrag für die Errichtung eines naturwissenschaftlichen Instituts, der in Stahlbetonskelettbauweise errichtet wurde.

Zeiss-Hauptwerk (heute Universitätscampus und Goethegalerie)
1906 baute die Firma Dyckerhoff & Widmann (Dywidag) (Bau 6) den ersten Stahlbeton-skelettbau im Großherzogtum, bei dem die tragenden Teile als gestalterisches Element sichtbar blieben. 1915 baute der Darmstädter Architekt Friedrich Pützer nach dem Vorbild der Chicagoer Schule das erste Hochhaus in das Areal (Bau 15). Auf dem Dach von Bau 11 wurde 1923 die erste Projektionskuppel mit einer Dicke von nur 3 cm von Walter Bauersfeld in Zusammenarbeit mit der Dywidag errichtet. Ende der 20er Jahre wurde der Düsseldorfer Architekt Emil Fahrenkamp mit dem Bau eines Verwaltungshochhauses beauftragt, das über 80 Meter hoch sein sollte – das höchste Gebäude Europas. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten kam es nicht zur Ausführung. Gebaut wurde 1934 unter Federführung der Berliner Architekten Hans Hertlein und Georg Steinmetz ein Stahlbetonbau mit 14 Stock-werken.

Knebelstraße 19
Das Gebäude in der Knebelstraße 19 wurde 1925 als Neubau der Buchbinderei Martin an die bestehende Quartiersbebauung durch das Architekturbüro Schreiter & Schlag angebaut. Es zählte damals durch die Bauten der Optikerfachschule, dem Planetarium, Jenaer Kino-bauten und Gebäuden für die Firma “Carl Zeiss” zu den überregional bekannten Büros. Sechs Jahre nach dem Werkstattgebäude wurde ein Wohngeschoss im Sinne des “Neuen Bauens” (durch enge Kontakte zum Bauhaus) mit einheitlichem Gestaltungs- und Farb-konzept aufgesetzt. Die eigentliche Leistung liegt im innerarchitektonischen Bereich, der noch in großen Teilen erhalten und restauriert worden ist (Originalfußböden, Bad, Fenster- und Türbeschläge, Türen).

Informationen und Buchungen
§ Barbara Mendra, Tourismusmarketing Jena, Tel. 03641 498044,
E-Mail: barbara.mendra@jena.de
§ Kathrin Schulz, Jena Tourist-Information, Tel.: 03641 498050,
E-Mail: tourist-info@jena.de


Kommentieren (0 vorhanden) | Lesezeichen | 29. Dezember 2008, 15:15




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