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Geologe der Universität Jena plädiert für Erweiterung der Speicherkapazitäten von Erdgas

[Friedrich Schiller Universität]

Jena. Beim Erdgasverbrauch belegt Deutschland einen Spitzenplatz in Europa. Dafür ist es auf regelmäßige Lieferungen aus Norwegen und Russland angewiesen. Geraten diese ins Stocken, kann es problematisch werden. „Gerade mal für ein Vierteljahr reichen die strategisch gespeicherten deutschen Erdgasreserven im Falle eines Lieferstopps aus“, sagt Prof. Dr. Reinhard Gaupp von der Friedrich- Schiller-Universität Jena. „Wenn die aufgebraucht sind, wird es vor allem für die deutsche Wirtschaft äußerst problematisch“, gibt der Professor für Allgemeine und Historische Geologie zu bedenken. Stand bis jetzt eher der Ausgleich jahreszeitlicher Bedarfsschwankungen im Fokus der Erdgasspeicherung, müsse in Zukunft auch die Versorgungssicherung in Ausnahmesituationen wie Lieferunterbrechungen stärker berücksichtigt werden, so Gaupp.
Der Geologe erforscht seit Jahren die tiefen Porenräume, die sich unter bestimmten Voraussetzungen sehr gut für die Erdgasspeicherung eignen. Jetzt hat er Modelle entwickelt, mit denen die Eignung poröser Untergrundräume als Speicherraum besser prognostiziert werden kann. „Ziel des Forschungsvorhabens war es, die Qualitätsmerkmale von Porenräumen in unbekannten Teilen des tiefen Untergrundes zu charakterisieren, um damit Entscheidungshilfen für die industrielle Nutzung zu liefern“, erläutert Prof. Gaupp. Dafür hat er mit seinem Team viele Gesteinsproben aus Bohrkernen mit Hilfe unzähliger briefmarkengroßer Dünnschliffe mikroskopisch und mit anderen Analyseverfahren untersucht. Dabei konnten auch die Bildungsalter und die physikalisch-chemischen Bildungsbedingungen verschiedener Minerale bestimmt werden. Die  Wissenschaftler haben so die räumliche Verteilung der porösen Gesteinslagen und ihre zeitliche Entwicklung detailliert analysieren können.
„Jede Pore ist anders“, sagt der Geologe von der Universität Jena. So gibt es in den Porenräumen vielfältige Strukturen, die im Laufe der Diagenese, also der Gesteinsverfestigung, entstanden sind. „Diese Strukturen haben großen Einfluss auf die Durchlässigkeit der Porensysteme für Gas und Wasser.“ Durch ihre Forschungsarbeit haben die Jenaer Geologen Voraussetzungen geschaffen, Prognosen zur räumlichen Verteilung von Porensystemen im Untergrund für entsprechende Standorte machen zu können. Für Prof. Dr. Reinhard Gaupp ist das ein wichtiges Zukunftsthema.
„Der Vorteil von Porenspeichern ist ihr natürliches Vorkommen in sehr großen Volumen“, sagt der Geologe. „Anders als Kavernenspeicher in Salzstöcken müssen sie nicht erst unter technischem Aufwand geschaffen werden.“ Diese Vorteile sind durchaus auch für andere Nutzungsarten entscheidend, wie die Kohlendioxid-Speicherung als Klimaschutzmaßnahme oder die Geothermie. Welches geologische Potenzial das Thüringer Becken für die Erdwärmenutzung bietet, wollen die Jenaer Geologen in einem neuen Projekt untersuchen.
„Der Vorteil an unserer Untersuchungsmethode ist die Möglichkeit einer nutzungsübergreifenden Prognose des Potenzials in tiefen Porenräumen“, so Gaupp. Ob und wann jedoch in den weiteren Ausbau von Porenspeichern für Erdgas investiert wird, sei in erster Linie eine politische Entscheidung und die betriebswirtschaftliche Frage einzelner Versorgungsunternehmen. Plötzliche Lieferstopps könnte die deutsche Wirtschaft bei größeren strategischen Untergrundreserven bedeutend besser überstehen, ist sich Gaupp sicher.


Kommentieren (0 vorhanden) | Lesezeichen | 9. April 2009, 12:07




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