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Ausbildungsmarkt Jena und Region - Weniger Bewerber bei nahezu gleichem betrieblichen Stellenangebot

[Agentur für Arbeit]

Deutlich weniger Bewerber bei nahezu gleicher Anzahl von betrieblichen Stellenmeldungen – das ist die aktuelle Kurzbilanz der Ergebnisse zur Halbzeit im Berufsberatungsjahr 2008/2009. Ab Berichtsmonat März beginnt die Agentur für Arbeit Jena wieder monatlich – zeitgleich mit den Arbeitsmarktdaten – auch die aktuellen Zahlen für den Ausbildungsmarkt in der Region zu veröffentlichen.
Von Oktober 2008 bis März 2009 haben sich 1.282 Jugendliche bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Jena als Bewerber um eine betriebliche Ausbildung im Jahr 2009 registrieren lassen. Das sind 437 Bewerber weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (-25,4 Prozent).
Gleichzeitig wurden der Arbeitsagentur 1.284 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, 92 weniger als im Vorjahr (-6,7 Prozent).

„Die rückläufigen Schulabgängerzahlen schlagen sich nach wie vor in den Bewerberzahlen nieder“, äußert sich Dr. Ulrich Gawellek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Jena, beim Blick auf die aktuellen Daten. „Das hohe Niveau an gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen in der Region ist sehr erfreulich. Rein rechnerisch kommt damit auf jeden Bewerber eine betriebliche Ausbildungsstelle.“
Der Agenturchef wertet dies als Indiz dafür, dass viele Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben und ihren künftigen Fachkräftebedarf trotz Wirtschaftskrise verstärkt über die eigene betriebliche Ausbildung rekrutieren wollen. Dennoch sieht er den Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt nicht unproblematisch: „Trotz der zahlenmäßigen Entspannung wird es für einen Teil der Jugendlichen nicht einfach werden, einen Ausbildungsplatz zu finden. Da die Unternehmen ihre Anforderungen voraussichtlich nicht oder nur in geringem Maß senken werden, wird die Lehrstellensuche vor allem für leistungsschwächere Schüler nach wie vor schwierig sein.“
Die rückläufigen Schulabgängerzahlen sind jedoch nicht der alleinige Grund für die gesunkenen Bewerberzahlen. Zunehmend nutzen die Jugendlichen die Selbstinformationseinrichtungen (ohne Einschaltung der Arbeitsagentur) zur Suche nach Ausbildungsstellen. Ein Teil von ihnen – vor allem die Leistungsstärkeren – ist auf diese Weise erfolgreich und benötigt nicht die individuelle Hilfe bei der Vermittlung. Diese Jugendlichen erscheinen damit nicht in der Geschäftsstatistik der Agentur für Arbeit, obwohl sie als Nachfrager auf dem Ausbildungsmarkt auftreten und zum Teil auch beraten wurden.

Von den gemeldeten 1.282 Bewerbern galten 342 als versorgt. Sie haben bereits einen Ausbildungsvertrag oder eine andere Alternative nach der Schulzeit gefunden.
Von diesen versorgten Bewerbern wünschen allerdings 80 weiterhin eine Vermittlung der Arbeitsagentur, weil ihre gewählte Alternative noch nicht in jeder Hinsicht ihren beruflichen Wünschen entspricht.
Demgegenüber wurden 940 Bewerber rein statistisch noch als unversorgt geführt. Erfahrungsgemäß laufen bei einem Großteil die Besetzungsverfahren. Sie haben sich entweder noch nicht entschieden (vielfach Mehrfachbewerbungen) bzw. der Arbeitsagentur ihre Entscheidung noch nicht mitgeteilt.
Ähnlich verhält es sich bei den 1.066 laut Statistik noch als unbesetzt geltenden Stellen. Auch hier laufen in den meisten Fällen die Besetzungsverfahren oder die Unternehmen haben sich noch nicht für einen Bewerber entschieden.

Bewerber nach Schulabschluss
Mit 47,6 Prozent hat der größte Teil der bisher bei der Arbeitsagentur gemeldeten Bewerber einen mittleren Bildungsabschluss erreicht bzw. in Aussicht.
10,7 Prozent haben einen Hauptschulabschluss und 1,8 Prozent keinen Schulabschluss.
Über die Fachhochschul- oder Hochschulreife verfügen 21,4 Prozent aller Bewerber.

Altbewerber
Insgesamt betrachtet konnte der Anteil der Altbewerber im Vorjahresvergleich gesenkt werden.
57,5 Prozent der ausbildungssuchenden Jugendlichen werden die Schule im aktuellen Berufsberatungsjahr beenden (März 2008: 48,5 Prozent). Bereits in früheren Jahren haben 40,9 Prozent die Schule verlassen (März 2008: 46,8 Prozent). Von den restlichen 1,6 Prozent liegen keine Angaben vor.

Stellen und Bewerber nach Regionen
In allen Geschäftsstellenbezirken des Arbeitsagenturbezirkes Jena hat sich die Bewerberzahl im Vorjahresvergleich weiter verringert.
Bei den gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen verbuchten die Geschäftsstellen Pößneck und Saalfeld ein Plus zum Vorjahr, während sich in den anderen Regionen die Nachfrage reduzierte.

Fazit
Die vorliegenden Zahlen und Aussagen zur Halbjahresbilanz stellen ein Zwischenergebnis dar, welches sich erfahrungsgemäß in den folgenden Monaten noch deutlich verändern wird. So werden sich weitere Betriebe für die Ausbildung entscheiden und andere ihre Entscheidung über die Einstellung von Auszubildenden zum Abschluss bringen. Gleichzeitig werden sich weitere Jugendliche als Bewerber für eine betriebliche Ausbildung registrieren lassen. Andere Bewerber werden alternative Ausbildungswege wählen oder sich auch für andere Ausbildungsorte entscheiden.
Wie viele Jugendliche tatsächlich in eine Ausbildungsstelle einmünden, eine andere Qualifizierung oder Alternative wählen oder nicht mehr an einer Vermittlung interessiert sind, wird sich erst zum Ende des Beratungsjahres am 30.09.2009 zeigen. Erst zu diesem Zeitpunkt wird auch feststehen, wie viele Jugendliche tatsächlich noch als unversorgt gelten.
Trotz der guten Gesamtsituation wird der Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt nicht einfach werden. Dazu Dr. Ulrich Gawellek: „Die rein zahlenmäßige Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt darf noch nicht als ein Signal der Entwarnung gesehen werden. Auch im laufenden Jahr sind alle Akteure aufgerufen, durch ihr konstruktives Zusammenwirken für einen größtmöglichen Ausgleich am Ausbildungsmarkt zu sorgen.“
Die aktuelle Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt weist aber auch auf den Bedarf an zukünftigen Fachkräften hin. Dr. Gawellek: „Trotz der wirtschaftlich angespannten Situation sollten die Unternehmen durch Ausbildung ihres eigenen Fachkräftenachwuchses für die Zeit nach der Krise vorsorgen und sich dabei fragen, ob es wirklich immer der Musterschüler sein muss. Nicht dieser Idealvorstellung entsprechende Bewerber können auf längere Sicht durchaus die bessere Wahl sein!“ Den bislang bei der Ausbildungsplatzsuche noch erfolglosen Jugendlichen rät der Agenturchef, flexibel zu sein und über alternative Berufe nachzudenken.

Die Berufsberatung und der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Jena haben für die kommenden Wochen und Monate zahlreiche Aktionen geplant, um den Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt voranzutreiben. So werden die nächsten Wochen ganz im Zeichen von Betriebskontakten zur Gewinnung von Ausbildungsstellen stehen. Ein besonderer Höhepunkt wird dabei der 14. Mai 2009 als bundesweiter “Tag des Ausbildungsplatzes” sein. Im Bereich der Agentur für Arbeit Jena werden an diesem Tag alle verfügbaren Fach- und Führungskräfte in Betrieben und Einrichtungen unterwegs sein und um Ausbildungsstellen werben.
Im August und September folgen dann Aktionen zur Besetzung aller noch freien Ausbildungsplätze sowie gemeinsame Nachvermittlungsaktionen mit den Kammern ab Oktober 2009.


Kommentieren (0 vorhanden) | Lesezeichen | 31. März 2009, 11:45




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