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Herzchirurgie nach Maß am Jenaer Uniklinikum

[Universitätsklinikum]

Jena. PD Dr. Artur Lichtenberg ist zum Professor für Herzchirurgie am Universitätsklinikum Jena berufen worden. Seit Februar leitet er die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie des Klinikums, des einzigen Herztransplantationszentrums in Thüringen.
Der 39-Jährige absolvierte seine ärztliche Ausbildung in Tübingen, Lahr und Hannover. Zuletzt arbeitete er als leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Heidelberg. In Hannover und Heidelberg forschte er auf dem Gebiet des Tissue-Engineering, der Gewebezüchtung für Herzklappen und Herzmuskelgewebe. Diese Forschungsarbeiten möchte der Herzchirurg in Jena fortsetzen.
„Unser großes Ziel ist die Etablierung von mitwachsenden Herzklappen“, sagt Artur Lichtenberg, „diese könnten für Kinder mit ernsthaften Herzerkrankungen eine wesentliche Verbesserung bringen.“ Bis jetzt müssen die kleinen Patienten, die wegen angeborener Herzfehler eine herkömmliche biologische oder künstliche Herzklappe erhalten haben, mehrfach nachoperiert werden. Wenn sie so weit gewachsen sind, dass die Leistung der eingesetzten Klappe nicht mehr ausreicht, muss diese durch ein neues Implantat ersetzt werden.
Der neuartige Herzklappenersatz entsteht im Bioreaktor aus Zellen des Patienten, die auf dem Zellgerüst einer Spender- oder Schweineherzklappe aufwachsen. Aus dem Gerüst werden zuvor im Labor alle körperfremden Zellen entfernt, sodass keine Unverträglichkeitsreaktionen auftreten können. „Von diesem Verfahren können auch erwachsene Patienten mit Erkrankungen der Herzklappen profitieren, die nach dem Einsatz einer künstlichen Klappe lebenslang Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen oder wegen der Alterung des biologischen Klappenersatzes nach etwa 15 Jahren auch erneut operiert werden müssen“, beschreibt Professor Lichtenberg die Vorteile der neuen Herzklappen. „Noch befinden sich diese neuen Verfahren in der vorklinischen und klinischen Erprobung, aber wir sind auf einem guten Weg. In etwa vier bis sechs Jahren können sie den Patienten zur Verfügung stehen“, so Lichtenberg. Ähnlich wie das Herzklappengewebe lässt sich auch neues Herzmuskelgewebe züchten, das Patienten mit Herzmuskelschwäche implantiert werden kann. Die Entwicklung von Muskelgewebe befindet sich allerdings in den Anfängen der Forschung.
Bei der Weiterentwicklung des interventionellen Herzklappenersatzes sind die Herzchirurgen wichtige Partner der Kardiologen. Diese neue Behandlung, die in Jena seit einem Jahr durchgeführt wird, eröffnet auch mehrfach erkrankten und nicht für eine Operation geeigneten Patienten die Möglichkeit eines Herzklappenersatzes.
Professor Lichtenberg und seine Mitarbeiter, darunter zwei, die ihm von Heidelberg nach Jena gefolgt sind, setzen aber nicht nur neue Herzklappen ein, sondern führen alle Operationen an Herz- und Brustkorb aus, bis hin zu minimalinvasiven Eingriffen und Transplantation von Herz und Lunge. „Dabei wollen wir eine Herzchirurgie nach Maß praktizieren, individuell auf den Patienten ausgerichtet“, beschreibt Artur Lichtenberg sein Ziel, „dazu zählt auch das Angebot psychologischer Betreuung vor allem für die Transplantationspatienten.“ Die Orientierung am Patienten stellt der neue Klinikdirektor auch bei der Ausbildung der Medizinstudenten in den Mittelpunkt. Durch ärztliche Mentoren sollen die Studenten im Praktischen Jahr frühzeitig in die Betreuung der Patienten einbezogen werden.


Kommentieren (0 vorhanden) | Lesezeichen | 11. März 2009, 12:58




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