[Agentur für Arbeit]
Im zurückliegenden Jahr 2008 waren im Durchschnitt 18.476 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen, 3.686 oder 16,6 Prozent weniger als im Jahr 2007. Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen lag bei 10,0 Prozent, das waren 1,9 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor.
„Wir haben im Agenturbezirk die niedrigste jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit seit 1991 erreicht. Die Arbeitslosenquote bewegte sich ab Juni im einstelligen Bereich und unterschritt im September sogar die 9-Prozent-Marke“, bilanziert Dr. Ulrich Gawellek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Jena, rückblickend auf das Jahr 2008. „Dieses Ergebnis ist überwiegend auf die gute wirtschaftliche Entwicklung bis in den Spätsommer zurück zu führen. Es ist aber auch ein Beleg dafür, dass die Arbeit unserer Vermittler und Vermittlerinnen erfolgreich ist und die Zusammenarbeit der Arbeitsagentur mit den anderen SGB II-Trägern funktioniert.“
Das Arbeitsmarktgeschehen gestaltete sich im Jahresverlauf wie folgt:
Im ersten Halbjahr 2008 zeigte sich der Arbeitsmarkt noch wenig beeindruckt von den vielfach diskutierten Eintrübungsrisiken wie hohe Energiekosten, Konsumschwäche und starker Eurokurs.
Das Jahr begann mit dem üblichen – vorrangig jahreszeitlich bedingten – Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Mitte Januar registrierten 21.983 arbeitslosen Menschen bedeuteten den höchsten Bestand im gesamten Berichtsjahr 2008.
Bereits im Februar konnte ein Rückgang der Winterarbeitslosigkeit registriert werden, wozu neben der anhaltend guten Konjunktur auch das relativ milde Winterwetter und die im Vorjahresvergleich gestiegene Inanspruchnahme des Saison-Kurzarbeitergeldes beitrugen. Bis zum Sommer behielt der Arbeitsmarkt – trotz der zunehmend prognostizierten Abschwächung des Wirtschaftswachstums – seine insgesamt robuste Verfassung. Die Arbeitslosenzahlen gingen kontinuierlich zurück, und im Juni verzeichnete der Arbeitsagenturbezirk Jena erstmals eine Arbeitslosenquote im einstelligen Bereich. Angesichts noch voller Auftragsbücher in vielen Unternehmen blieb die Stimmung überwiegend optimistisch. Dennoch wurde bereits zur Jahresmitte deutlich, dass die Personalentscheider durch die gedämpften Konjunkturaussichten bei den Stellenbesetzungen vorsichtiger wurden. Auch war zu beobachten, dass die Unternehmen zunehmend an ihren guten Mitarbeiter festhielten. Daher gab es weniger Kündigungen, aber ebenso weniger Neueinstellungen.
Auch der Beginn des zweiten Halbjahres ließ trotz Abschwächung mehrerer Konjunkturindikatoren noch keinen Abwärtstrend am Arbeitsmarkt erkennen – bestenfalls eine etwas geringere Dynamik beim Abbau der Arbeitslosigkeit im SGB III-Bereich. Obwohl sich durch das Schuljahresende in den Monaten Juli und August viele Schulabgänger und Auszubildende arbeitslos meldeten und sich die Einstellungsbereitschaft durch die Urlaubs- und Ferienzeit verringerte, ging die Arbeitslosigkeit weiter zurück. Im September wurde im Agenturbezirk erstmals eine Arbeitslosenquote unter der 9-Prozent-Marke erreicht.
Der positive Trend setzte sich noch bis zum Oktober fort. In diesem Monat wurde mit 16.021 Betroffenen (Arbeitslosenquote: 8,6 Prozent) nicht nur die niedrigste Arbeitslosigkeit im gesamten Jahr 2008 erreicht, sondern auch der niedrigste Stand seit März 1991. Damals befanden sich aber wesentlich mehr Menschen in Kurzarbeit oder öffentlich geförderter Beschäftigung.
Allerdings waren nunmehr Meldungen über rückläufige Auftragseingänge als erste Anzeichen für einen Übergang in eine gedämpftere Entwicklung nicht mehr zu übersehen. Zu spüren war dies vor allem in stärkerer Einstellungszurückhaltung der Unternehmen, vermehrtem Beratungsbedarf zum Thema Kurzarbeit und weniger Stellenmeldungen aus dem Zeitarbeitssektor. Letzterer gilt bekanntlich als Frühindikator der Arbeitsmarktentwicklung.
Erst im November wurde der seit Februar 2008 anhaltende rückläufige Trend bei den Arbeitslosenzahlen beendet. Mehr Arbeitslose wurden allerdings nur im SGB III-Bereich registriert, während der SGB II-Bereich einen weiteren Rückgang verzeichnete. Nennenswerte Einbrüche wurden aber noch nicht registriert. Auch der befürchtete Anstieg der Arbeitslosigkeit im Baugewerbe blieb aus, nicht zuletzt durch die milde Witterung bis Monatsmitte. Obwohl sich der konjunkturelle Abschwung noch kaum in der monatlichen Arbeitsmarktstatistik niederschlug, mehrten sich die Zeichen, die auf einen Wendepunkt am Arbeitsmarkt hindeuteten. Der Beratungsbedarf zum Thema Kurzarbeit und die Anzeigen auf Kurzarbeitergeld verstärkten sich, während sich die Kräftenachfrage – hier vor allem bei den Zeitarbeitsunternehmen – spürbar abschwächte. Hauptsächlich verringerte sich der Bedarf an Hilfskräften spürbar. Deutlich wurde dies schwerpunktmäßig im verarbeitenden Gewerbe – hier hauptsächlich in der Metallbe- und Metallverarbeitung, Elektroindustrie und Kunststoffverarbeitung (Schwerpunkt Zulieferbetriebe für die Automobilhersteller).
Der Fachkräftebedarf – vor allem an Akademikern – blieb aber auf hohem Niveau. In bestimmten Branchen und Regionen konnte dieser nicht mehr aus dem Arbeitslosenbestand bedient werden. Es wurde erkennbar, dass die meisten Unternehmen angesichts der zunehmenden Fachkräfteengpässe Kündigungen so weit wie möglich vermeiden wollten.
Das Jahresende endete erwartungsgemäß mit einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosenzahlen, der zwar vorwiegend noch saisonale Ursachen hatte, die konjunkturelle Abkühlung
aber zunehmend erkennen ließ. Mehr Arbeitslose wurden sowohl im SGB III-Bereich als auch im SGB II-Bereich verzeichnet, wobei der Schwerpunkt auf dem SGB III-Bereich lag.
Im Einzelnen betrachtet hat sich der jahresdurchschnittliche Arbeitslosenbestand in beiden Rechtskreisen spürbar verringert:
So waren im SGB III-Bereich (Betreuung durch Arbeitsagentur) 7.196 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen, 1.420 oder 16,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Kräftig gesenkt werden konnte dabei die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Im Jahresmittel waren im SGB III-Bereich noch 1.518 Menschen ein Jahr und länger ohne Job, 44,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Der SGB II-Bereich (Betreuung durch ARGEn und Optionskommune Jena) konnte im Berichtsjahr deutlich aufholen. Hier gab es im Jahresmittel 11.280 Arbeitslose, 2.266 oder 16,7 Prozent weniger als im Jahr 2007.
Die Zahl der jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren konnte kräftig gesenkt werden. Jahresdurchschnittlich wurden mit 2.013 Betroffenen 16,9 Prozent weniger gezählt als im Jahr 2007.
Die Betrachtung nach Rechtskreisen ergab, dass im SGB III-Bereich 13,4 Prozent und im SGB II-Bereich sogar 20,9 Prozent Jüngere weniger ohne Arbeit waren.
Besonders stark ging innerhalb dieser Personengruppe die Zahl unter 20-jährigen Arbeitslosen zurück. Im SGB II-Bereich waren hier im Jahresmittel sogar mehr als ein Drittel der Jugendlichen weniger arbeitslos als im Jahr zuvor (insgesamt -26,8 Prozent; SGB III-Bereich:
-20,9 Prozent; SGB II-Bereich: -35,3 Prozent).
Eine differenzierte Entwicklung war bei den älteren Arbeitslosen ab 55 Jahren zu beobachten. Ab September hatten sich die Arbeitslosenzahlen bei dieser Personengruppe wieder
über dem Vorjahresniveau bewegt. Die Ursache lag hauptsächlich in dem Wegfall der Bezugsmöglichkeit von Arbeitslosengeld unter erleichterten Voraussetzungen.
Jahresdurchschnittlich waren 2.842 Männer und Frauen dieser Altersgruppe ohne Beschäftigung. Trotz des Anstiegs im letzten Quartal waren dies noch 231 oder 7,5 Prozent weniger als 2007 (SGB III-Bereich: -10,9 Prozent; SGB II-Bereich: -3,2 Prozent).
Die Zahl der im Jahr 2008 gemeldeten ungeförderten Stellen hat sich gegenüber dem Vorjahr vor allem im zweiten Halbjahr abgeschwächt. Angesichts der Meldungen über eine zunehmende konjunkturelle Abkühlung zeigten die Personalentscheider mehr Zurückhaltung bei geplanten Einstellungen. Insgesamt wurden im zurückliegenden Jahr 8.175 ungeförderte Stellenangebote verzeichnet, 324 oder 3,8 Prozent weniger als 2007 (Zahlen ohne optierende Kommune Jena).
Die Leistungen der aktiven Arbeitsmarktpolitik entlasteten den Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Jena im Jahr 2008 erneut auf hohem Niveau. Die einzelnen Instrumente kamen entsprechend der regionalen Gegebenheiten am Arbeitsmarkt und der individuellen Problemlagen der arbeitsuchenden Menschen zur Anwendung. Dabei wurde konsequent auf einen wirksamen und wirtschaftlichen Einsatz der Ressourcen geachtet.
Ausgewählte arbeitsmarktpolitische Instrumente – Zugänge/Bewilligungen 2008 (Jahressummen)
Bezüglich der weiteren Entwicklung äußert sich der Agenturchef zurückhaltend. „Obgleich der Arbeitsmarkt verzögert auf die wirtschaftlichen Veränderungen reagiert, wird die aktuelle konjunkturelle Entwicklung auch im Agenturbezirk Jena nicht ohne Folgen bleiben.“ Er ist sich aber sicher, dass trotz konjunktureller Abkühlung der Fachkräftebedarf anhalten wird, und begründet dies mit dem zunehmenden Trend zur Informations- und Wissensgesellschaft und dem demographischen Wandel. Beide Entwicklungen bewirken, dass auch der Wettkampf um die klugen Köpfe immer mehr zunehmen wird. So ist Kurzarbeit ein probates Mittel, um Durststrecken zu überbrücken.
Dr. Gawellek weist daraufhin, dass die demografische Entwicklung zunehmend auch den Druck auf die Unternehmen dahingehend verschärft, berufsbegleitende Qualifizierungen in den Betrieben zu entwickeln, um das Fachwissen der Belegschaft nicht veralten zu lassen.
Diese Ziele verfolgte auch die Qualifizierungsoffensive der Bundesagentur für Arbeit. Sie wurde im September 2008 gestartet und findet 2009 ihre Fortsetzung.
Längst ist klar, dass die Agentur für Arbeit nicht alles finanzieren kann, was an Bildungsinvestitionen notwendig ist. Gefordert sind Verantwortung und Initiative bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern für beschäftigungsbegleitende Weiterbildung. Dabei kann die Arbeitsagentur auch 2009 die Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen mit dem „WeGebAU-Programm“ finanziell unterstützen, wenn Geringqualifizierte und beschäftigte Ältere im Arbeitsprozess weitergebildet werden. Auch Qualifizierungen während der Kurzarbeit können künftig vielfältig gefördert werden.
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