[Agentur für Arbeit]
Arbeitsmarkt nach Bereichen
Das Arbeitsmarktgeschehen im Überblick
Das Jahr 2008 ist erwartungsgemäß mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu Ende gegangen. Insgesamt wurden Mitte Dezember 17.055 Menschen ohne Job gezählt, 1.006 oder 6,3 Prozent mehr als im Vormonat.
„Der Anstieg der Arbeitslosigkeit war hauptsächlich saisonal bedingt und bislang nur teilweise die Folge der konjunkturellen Abkühlung“, erläutert Dr. Ulrich Gawellek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Jena. „In jedem Jahr ist um diese Jahreszeit mit verstärkten Arbeitslosmeldungen aus saison- und witterungsabhängigen Bereichen zu rechnen. Dabei hängt der Umfang stark von den Witterungsbedingungen ab. Auch schwächt sich der Arbeitskräftebedarf über die Wintermonate erfahrungsgemäß ab.“
Dr. Gawellek weist aber darauf hin, dass die Arbeitsuchend- und Arbeitslosmeldungen – neben den witterungsabhängigen Bereichen (Bau, Land- und Forstwirtschaft, Verkehr) – vor allem auch im Metall- und Kunststoffbereich zugenommen haben. Besonders deutlich wurde diese Entwicklung im Zeitarbeitsbereich. Betroffen waren hauptsächlich Produktionshelfer, während die Nachfrage nach Fachkräften anhielt. Darüber hinaus trugen das Auslaufen von befristeten Beschäftigungen und Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik – hier vor allem von Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandentschädigung – ebenso zu den höheren Arbeitslosenzahlen bei.
Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, erhöhte sich gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 10,5 Prozent gelegen.
Obwohl der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum November in diesem Jahr höher ausfiel (Vorjahr: + 549 oder +2,9 Prozent), waren noch immer 2.483 Menschen oder 12,7 Prozent weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als im Dezember 2007. Damit wurde erneut der niedrigste Arbeitslosenbestand in einem Berichtsmonat seit dem Beginn der statistischen Erfassung registriert.
Der Agenturleiter geht davon aus, dass die nachlassende Konjunktur zunehmend auch das hiesige Arbeitsmarktgeschehen beeinflussen wird. In welchem Umfang dies erfolgen wird, ist jedoch ungewiss und wird auch von der Strenge des Winters abhängen. „Viele Branchen reagieren auf eine Konjunktureintrübung erst zeitverzögert. Wenn beispielsweise jetzt die Autobauer Absatzprobleme haben, kann die gesamte Zuliefererkette in Beschäftigungsschwierigkeiten kommen. Dennoch denke ich, dass die hiesige Wirtschaft aufgrund ihrer breitgefächerten und großteils technologieorientierten Branchenstruktur nicht so unmittelbar konjunkturanfällig ist. Auch haben sich viele Unternehmen in der Vergangenheit bereits so verschlankt, dass sie sich eigentlich nicht die Trennung von ihrem eingearbeiteten Personal leisten können. Wer seine Fachkräfte entlässt, muss damit rechnen, bei verbesserter Auftragslage viel Kraft und Zeit für ihre Rekrutierung aufwenden zu müssen.“
Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur haben in den letzten Wochen sowohl einen großen Beratungsbedarf zum Thema Kurzarbeitgeld verspürt als auch bereits verstärkte Anzeigen für diese Leistung entgegen genommen. Mitte November lagen Anzeigen für 434 Kurzarbeiter vor. Im Vergleich zum Vormonat war das ein Anstieg um 317 und im Vergleich zum Vorjahr um 179 angezeigte Kurzarbeiter. Dies deutet zwar auf die zunehmenden Auftragsprobleme hin, belegt aber auch, dass viele Unternehmen ihre Stammbelegschaft so lange wie möglich halten wollen. Dr. Gawellek weist darauf hin, dass ab sofort auch die Qualifizierung von Arbeitnehmern während des Bezugs von Kurzarbeitergeld (konjunkturelles und Saison-Kurzarbeitergeld) gefördert werden kann.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften hatte sich bereits im November abgeschwächt. Dennoch konnten im Berichtszeitraum mit 498 ungeförderten Stellenangeboten (ohne optierende Kommune) 32 mehr als im November registriert werden. Zum Vorjahr waren dies aber 84 weniger.
Der Bedarf an Fachkräften hielt unvermindert an. Vor allem wurden Altenpfleger, Fachärzte, Sozialpädagogen, Ingenieure, Biologen, Psychologen, wissenschaftliche Mitarbeiter, Softwareentwickler, Produktionsleiter/-ingenieure und Fachkräfte im Metall- und Elektrobereich sowie im öffentlichen Dienst gesucht.
Demgegenüber hat sich der Bedarf an Hilfskräften spürbar verringert. Deutlich wurde dies im verarbeitenden Gewerbe – hier hauptsächlich in der Metallbe- und Metallverarbeitung – sowie in der Elektroindustrie (Schwerpunkt Zulieferbetriebe für die Automobilhersteller).
Betrachtung ausgewählter Personengruppen
Durch die verstärkten Entlassungen aus den witterungsabhängigen Branchen, in denen vorrangig Männer beschäftigt sind, lag der Schwerpunkt der Zunahme der Arbeitslosigkeit bei dieser Personengruppe. Konkret erhöhte sich die Zahl der arbeitslosen Männer um 12,0 Prozent, während die der Frauen nur um 0,9 Prozent zunahm.
Auch die Zahl der jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren hat erstmals seit Juli (Ferienbeginn) wieder leicht zugenommen. Mitte Dezember waren 1.720 Personen in diesem Alter von Arbeitslosigkeit betroffen. Das waren 2,4 Prozent mehr als im November, aber 14,1 Prozent weniger als im Vorjahr.
Vorrangig durch den Wegfall der Bezugsmöglichkeit von Arbeitslosengeld unter erleichterten Voraussetzungen (§ 428 SGB III) stieg die Arbeitslosigkeit der Älteren ab 55 Jahren seit September kontinuierlich an. Auch im Berichtsmonat wurden mit 2.982 betroffenen Männern und Frauen dieser Altersgruppe 5,0 Prozent mehr als im November und 11,4 Prozent mehr als im Dezember 2007 registriert.
Nach Regionen und Rechtskreisen
In allen Geschäftsstellen des Arbeitsagenturbezirkes war gegenüber dem November eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Der prozentuale Anstieg bewegte sich dabei zwischen +3,2 Prozent im Bereich der Hauptagentur Jena und +16,2 Bereich in der Geschäftsstelle Eisenberg.
Die niedrigste Arbeitslosenquote wurde mit 8,2 Prozent nunmehr im Bereich der Hauptagentur Jena ermittelt, gefolgt von der Geschäftsstelle Stadtroda mit 8,5 Prozent.
Der ungünstigste Wert verblieb zwar mit 10,7 Prozent in der Geschäftstelle Rudolstadt, jedoch konnte sich die Region im Vorjahresvergleich um 2,1 Prozentpunkte verbessern. Den größten Schritt zum Vorjahr machte im Arbeitsagenturbezirk Jena aber die Geschäftsstelle Pößneck. Mit einer Arbeitslosenquote von 10,1 Prozent unterbot sie den Vorjahreswert um 2,4 Prozentpunkte.
Bei den politischen Kreise waren unterschiedliche Entwicklungen erkennbar. So blieb die Arbeitslosigkeit in der kreisfreien Stadt Jena nahezu konstant (-0,1 Prozent), während in den drei anderen Kreisen im Zuständigkeitsbereich2) eine Zunahme erfolgte. Den größten Anstieg verzeichnete dabei der Saale-Holzland-Kreis mit +14,1 Prozent.
Die günstigste Arbeitslosenquote blieb bei der Stadt Jena mit unverändert 8,0 Prozent. Auch die anderen Kreise wiesen trotz gestiegener Arbeitslosenzahlen weiterhin einstellige Quoten auf. Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt verbuchte mit 9,9 Prozent zwar die höchste Quote, diese stellte aber im Vorjahresvergleich die deutlichste Verbesserung dar
(-1,6 Prozentpunkte).
Nach Rechtskreisen betrachtet wird deutlich, dass nunmehr 40,1 Prozent aller Arbeitslosen dem Rechtskreis SGB III zuzuordnen sind und damit ausschließlich von der Agentur für Arbeit betreut werden. Auf Grund der verstärkten Entlassungen nach Erwerbstätigkeit hat sich dieser Anteil zum Vormonat (39,1 Prozent) leicht erhöht. Demgegenüber fallen 59,9 Prozent aller Arbeitslosen in den SGB II-Bereich, für den die ARGEn bzw. die Optionskommune Jena Verantwortung tragen.
In beiden Rechtskreisen war im Vormonatsvergleich eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Im wesentlich stärker auf die Konjunktur und saisonale Schwankungen reagierenden SGB III-Bereich stieg die Zahl an Arbeitslosen im Berichtszeitraum um 565 oder 9,0 Prozent auf nunmehr 6.833. Im Vergleich zum Vorjahr waren dies noch 201 oder 2,9 Prozent Erwerbslose weniger.
Im Rechtskreis des SGB II wurden 10.222 Arbeitslose und damit 441 Arbeitslose oder 4,5 Prozent mehr gezählt als im November. Gegenüber dem Vorjahr waren dies aber 2.282 oder 18,3 Prozent weniger. Nur in der kreisfreien Stadt Jena verringerte sich die Arbeitslosenbestand gegenüber dem November nochmals leicht (-0,7 Prozent).
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